Melancholisches Saisonfinale
Melancholisches aus dem texanisch-mexikanischen Grenzgebiet der Musik: Stefan Hiss und Los Santos spielten das Finale der Flussmeisterei-Saison.
Viel ansprechender kann man den Abschluss eines Open-Air-Biergartens gar nicht gestalten. Pünktlich zu Beginn des Donaufests schloss die Flussmeisterei am Neu-Ulmer Donauufer ihre Pforten, und Los Santos spielten dazu den melancholischen Soundtrack.
Schon mit seinen Los Gigantes hat Stefan Hiss immer wieder bewiesen, dass er bezüglich des Repertoires ein untrügliches Gespür für allerfeinste Songauswahl besitzt. Dass Junior Brown zu seinen Lieblingsinterpreten gehört, ist spätestens seit dem Album "Highway patrol" (benannt nach einem Junior-Brown-Song) kein Geheimnis mehr. Und mit "My wife thinks youre dead" und "Hillbilly Hula Girl" haben auch Los Santos zwei Nummern des amerikanischen Countrystars im Gepäck.
Blues, Tango, Western Swing, Rockabilly- und Mariachisound-Anklänge: Die Musik von Los Santos spielt fast ausschließlich im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet - und dort vorwiegend auf der melancholischen Seite der Emotionen. Zwar gibt es auch die eine oder andere Tanznummer zu hören, doch die langsamen, schwermütigen Songs wie Ry Cooders "Mexican divorce" oder Charley Walkers "Pick me up on your way down" bestimmen die Gemütslage des Quartetts. Dazu gesellen sich spanische Akkordeon-Nummern wie José Alfredo Jiménez "Deja que salga la luna", Leiber/Stollers bluesig interpretiertes "Riot in cell block #9" oder der swingende 12-Bar-Blues "Rag Mop".
Zwischen all diesen Coverversionen steckten im Konzert aber auch zwei von Stefan Hiss selbst geschriebene Nummern, die den Klassikern in keinster Weise nachstanden, ja, diese sogar zum Teil noch übertrafen: das supermelancholische "Blue in Hawaii", Titelsong des aktuellen Albums, und "Drinking my dinner", eine abgrundtief melancholische Trinkerballade.
Ein starker Abend in der Flussmeisterei: Dass Elvis Brettschneiders Gitarre in manchen Nummern phasenweise zu sehr dem Bluesrock zugeordnet war, Bernd Öhlenschlägers Schlagzeug bisweilen zu metronomisch exakt den Charme einer elektronischen Beatbox versprühte und Stefan Hiss Stimme bei den Coverversionen nicht immer ganz die Tiefe des Originals erreichte, war bei so viel Intensität leicht zu verschmerzen.