Melancholie und Schwung in der Flussmeisterei
Los Santos aus Stuttgart sind mittlerweile schon fast so etwas wie eine Institution in der Flussmeisterei. Verständlich: Ihre alljährlichen Auftritte auf der Open Air Bühne sind immer auch ein Highlight. Denn besser kann man den Soundtrack für eine lauwarme Nacht im Freien kaum bestreiten.
Melancholie macht sich breit, wenn Stefan Hiss (Akkordeon, Gesang), Joscha Brettschneider (Gitarre), Winfried Wohlbold (Pedalsteel) und Drummer Bernd Öhlenschläger loslegen. Junior Browns Country-Klassiker "My wife think"s youre dead" und Ry Cooders "Mexican divorce" gehören wie meist zu den Openern jeder Los Santos-Show und geben somit gleich die musikalische Richtung vor.
Sie führen mitten hinein in die Honky Tonk Bars des amerikanischen Südens, irgendwo zwischen Texas und Mexiko. "Ich habe kein zuhause, ich habe keine Freunde und meine Familie hab" ich verloren", singt Hiss auf Englisch, "hier bin ich nun und wieder am Trinken". Der Stoff, aus dem große Balladen entstehen.
Aber Los Santos können auch anders. Dann etwa, wenn sie flotten Western Swing aufs Parkett legen oder sich dem flotten "Rag Mob" hingeben. Daneben sind es immer wieder die tief in der mexikanischen Folklore verwurzelten Songs, die den speziellen Charme von Los Santos ausmachen.
Aber die Vier können auch richtig rocken. Und dass das auch ohne voll aufgedrehte Verstärker geht, unterstreicht nur einmal mehr, dass das Quartett auch in punkto instrumentaler Versiertheit in den letzten Jahren enorm zugelegt hat.
So gesehen darf man sich jetzt schon wieder auf"s nächste Jahr freuen, wenn Los Santos hoffentlich wieder in der Flussmeisterei auftreten, ihr "Hillbilly Hula Girl" spielen oder mit Jim Reeves "He"ll have to go" einzigartige Melancholie verbreiten.
PIERRE LA QUA