Krautclub mit Zuckerhut

Feindrehstars und ihr Rambazamba am Jahnufer
Von Peter Michael Bluhm

Aus Jena kommen sie und mischen die deutsche Tanzszene auf: Die sieben jungen Musiker, die sich „Feindrehstars“ nennen und ein furioses Rambazamba auf der Bühne veranstalten, dass es dem Publikum in die Beine fährt.

So auch in der Flussmeisterei, wo das Musikerkollektiv am Donnerstag mit ein wenig Verspätung ihre einzigartige Show präzise wie ein Uhrwerk ablieferte und um 22 Uhr ein schweißgebadetes Publikum hinterließ. Krautclub nennen die Thüringer ihr Genre. Und in diesen Begriff packen sie alles rein, was zum Tanzen und Abfahren geeignet ist. Hip-Hop, Jazz, House, Funk, Worldmusic, Techno und einen Samba, dass einem der Zuckerhut hochgeht.

Krishan Zeigner und Friedemann Ziepert an den Drums und Percussions demonstrieren ein rhythmisches Temperament, als seien sie nicht in der damaligen DDR, sondern in Rio geboren. Sie werden dabei auf der Basslinie von Boris Nielsen feurig unterstützt, der mit seinem Outfit als rotbärtiger Weihnachtsmann mit Käppi schlichtweg der Hingucker des Abends ist.

Sein Hammerbass wirkt wie ein Donnerhall, der an diesem Konzertabend weit über den Flussmeistereischuppen in die weite Nachbarschaft wirkt. Dieses musikalische Gesamtkunstwerk komplettieren Kalle Mille (Trompete), Johannes Haschke (Sax) Lars Mäurer (Rho-des und Keys) und der Hexenmeister der Band: DJ Thomas Schläfer mit seinen Samples aus allen Musikrichtungen dieser Welt.

In dieser Besetzung sind die Feindrehstars seit zehn Jahren auf Tour und verdrehen dem in der Regel jungen Publikum den Kopf mit ihrer Musik, die jetzt auch als CD namens „Vulgarian Knights“ zu kaufen ist und einen Meilenstein im Crossover zwischen elektronischem und organischem Instrumentarium darstellt.

Dieser hoch innovative Mix klingt jedoch keinesfalls nach künstlicher Kreativität aus dem heimischen Labor, sondern kommt in bester Live-House-Manier rüber und versetzt den Zuhörer sofort in Ekstase, wenn er sich auf diesen Clubsound mit Big-Band-Qualität einlässt, der gelegentlich auch schwer jazzig rüberkommt.

Viel Groove und Feeling bot die Band in Neu-Ulm. Und ihr Auftritt gehörte für viele Anwesende und Stammgäste zu den bisherigen Höhepunkten der diesjährigen Konzertsaison am Neu-Ulmer Jahnufer.