Flussmeisterei: Der Vorhang fällt
Der Kulturbiergarten in der Flussmeisterei in Neu-Ulm findet in diesem Jahr statt - und wohl auch nochmals der mittelalterliche Weihnachtsmarkt. Parteien und die Stadt prüfen, wohin die Reise dann geht.
Ein Abend in der Flussmeisterei am Jahnufer. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind zur Abwechslung sommerlich. Auf den Liegestühlen, die auf dem Gelände aufgestellt sind, haben es sich Gäste bequem gemacht und genießen das erste Feierabendbier - mindestens ebenso viele aber auch das Trendgetränk Aperol Sprizz. Einige sitzen auf den Bierbänken im Schatten eines Zeltdaches und stärken sich mit Schnitzel, Grillwurst oder Flammkuchen. Bis das Konzert - an diesem Abend Patrick Wieland & the Urban Soul Collective - beginnt, dauert es noch gut zwei Stunden, die Stimmung ist relaxt. Die Flussmeisterei, die in diesem Jahr ihre siebte Saison feiert, hat viele Stammgäste. "Wie geht es denn weiter mit Euch?" Die Frage hört Carmen Mark, eine der drei Organisatorinnen der Flussmeisterei, in letzter Zeit öfter.
Mark ist optimistisch, weiter gehen soll es mit dem Kulturbiergarten auf jeden Fall. Die Stadt Neu-Ulm kümmere sich bereits um Ersatz-Plätze, die mit der Kulturbeauftragten der Stadt Mareike Kuch zum Teil schon besichtigt worden sind. Acht seien im Gespräch, viele davon seien allerdings zu klein, einige etwas abgelegen, sagt Mark.
Die CSU-Fraktion hat unabhängig ebenfalls einen Antrag gestellt und drei Plätze - auch für den Mittelaltermarkt - vorgeschlagen: den Schwal, den alten Eingang zum Donaubad und die Rasensenke bei der Caponniere IV im östlichen Glacis. "Davon wäre mir das Donaubad am liebsten", sagt Mark. "Das ist von der Flussmeisterei gerade mal ein paar Minuten Fußmarsch am Donauufer entlang entfernt." Und sie hofft auf weniger Beschwerden von Anwohnern - ein Argument, das für sie gegen den Schwal spricht. Denn auch die Polizei ist regelmäßiger Stammgast auf dem Flussmeisterei-Gelände. "Heute kommen sie bestimmt auch", sagt Mark. Tatsächlich kreuzen zwei Polizisten bereits während der Bandprobe auf und mahnen zum Leiserspielen.
"Wir wussten, dass wir hier nicht ewig bleiben können", sagt Mark. Und Bürgermeister Gerhard Hölzel habe in der vergangenen Woche versprochen, dass sie nächsten Sommer auf jeden Fall noch bis zum Donaufest Mitte Juli auf dem alten Gelände bleiben können. Hölzels Aussage steht aber konträr zu jener des Bauträgers Realgrund, der schon nächstes Jahr mit der Bebauung des Weiß-Areals und der Flussmeisterei beginnen will. Der Wettbewerb werde in diesem September entschieden, sagt Realgrund-Geschäftsführer Walter Hopp. Dann will er den Bauantrag stellen. Die Genehmigung werde ein halbes Jahr dauern, so dass er im April/Mai 2012 beginnen will: "Sobald wir das Baurecht haben, fangen wir an." Er kann sich nicht vorstellen, dass tagsüber auf dem Weiß-Gelände Gebäude abgebrochen werden und abends in der Flussmeisterei Musikveranstaltungen stattfinden können. Dann hätten die Anwohner gar keine Ruhe mehr. Wahrscheinlicher ist, dass der weihnachtliche Mittelaltermarkt Ende des Jahres die letzte Veranstaltung in der Flussmeisterei ist.
Für die CSU-Fraktion drängen Waltraud Oßwald und Rupert Seibold aufs Tempo. Sie haben die Stadt aufgefordert, Alternativen zu untersuchen. Soll das Kulturprogramm ohne Pause 2012 fortgesetzt werden, dränge die Zeit. Zumal alternative Standorte hergerichtet werden müssen. Oßwald: "Ein Jahr Pause wäre ganz, ganz schlecht." Die Stadt soll auch untersuchen, wie teuer die Lösungen kommen. Die CSU wäre jedenfalls bereit, sich das etwas kosten zu lassen.