Cha-Cha-Cha auf Jiddisch

Global Shtetl Band in der Flussmeisterei
Von BH

Es gibt Tage, da stimmt alles: der ideale Veranstaltungsort, ein Sommerabend wie in Süditalien und eine traumhaft schöne Musik. Fast 600 Besucher (Saisonrekord) genossen im Kulturbiergarten Flussmeisterei das virtuose Konzert der Global Shtetl Band und ließen sich von der Musik in der Tradition der Mambonix begeistern.

Der in Nürnberg lebende Sänger, Kontrabassist und Cisterspieler Markus Milian Müller hat mit der Gründung der Global Shtetl Band seine Berufung gefunden. Mit dem polnischen Akkordeonisten Bartek Stanczyk und dem fränkischen Drummer und Percussionisten Daniel Piccon wirbelt er durch die Welt des Klezmer und drückt dieser jiddischen Musik einen eigenen Stempel auf. Jahrelang studierte der Sänger Müller die Sprache und den Gesang der osteuropäischen Juden, die vor dem Holocaust in die USA geflüchtet waren. Dort vermischte sich ihre Musik aus den osteuropäischen Shtetln mit der Musik der Immigranten aus der Karibik. So entstand die Tradition der Mambonix. Es wird viele verwundern, dass der Cha-Cha-Cha ein jüdischer Nationaltanz ist, der später die ganze Welt eroberte.

Bolero-Balladen bekommen einen Touch Klezmer

Bei der Global Shtetl Band verbinden sich melancholisch-ironische Lieder aus den hintersten Winkeln Osteuropas mit dem eruptiven Temperament lateinamerikanischer Rhythmen. Das akustische Instrumentarium des Trios kommt zeitweise einer Salsa-Big-Band sehr nahe. Diese Spurensuche unterlegt der Sänger Müller mit eigenen Texten, die von Glaube und Liebe handeln. Wunderschöne Bolero-Balladen bekommen einen Klezmer-Touch und werden zu brillanter Tanzmusik. Das Angebot zu tanzen wurde jedoch kaum angenommen. Vielleicht war das Publikum zu ergriffen von der rasanten Musik, die noch lange nach dem Konzert im Kopf nachklang. Besonders die „West Side Story“, die das Trio in eine „East Side Story“ mit einem jüdisch-polnischen Mädchen und einem Italiener in den Hauptrollen umschrieb.